Wie gefährlich ist Stress wirklich?

„Tut mir leid, dafür hab´ ich keine Zeit – ich bin zu sehr im Stress“. Das hört man ständig. Wird man von Stress irgendwann wirklich krank? Ist Stress denn eigentlich wirklich so gefährlich?
Stess an sich ist nicht gesundheitsgefährdend. Im Gegenteil! Wir brauchen ihn sogar! In früheren Zeiten, als die Menschen noch in Höhlen lebten und die einzigen Konfliktlösungsmöglichkeiten Flucht, Angriff oder Totstellen waren, brauchten wir kurzfristige Phasen der Anspannung für die ersten beiden Möglichkeiten (Flucht und Kampf) unbedingt, um zu überleben.
Wenn der Säbelzahntiger vor der Höhle stand, war es wichtig, dass sich die Bronchien erweitern, die Atmung schneller wird, dass das Herz besser durchblutet wird und damit leistungsfähiger wird. Auch Herz, Gehirn und Muskeln werden bei Stress besser durchblutet. Sauerstoff und Energie wird in die Muskulatur gepumpt. Das erhöht die Reflexgeschwindigkeit. Die Verdauungstätigkeit von Magen und Darm wird gehemmt, denn in einer Gefahrensituation sollte man besser nicht auf die Toilette müssen.
Auch die Libido wird gehemmt, die Genitalorgane werden weniger durchblutet, Männer produzieren weniger Spermien – wer hat auf der Flucht vor dem Säbelzahntiger schon Zeit und Muße, an die Liebe zu denken. Unser Immunsystem lässt die Anzahl von Killerzellen im Blut ansteigen, um im Falle einer Verletzung in der Hitze des Gefechts Fremdkörper, die ins die Blutbahn gelangen könnten, schnell unschädlich zu machen. Wir werden in einer Stresssituation sogar schmerzunempfindlicher, um länger kämpfen oder flüchten zu können.
Dafür sind diese Reaktionen unseres Körpers überlebenswichtig!
Heute gibt es zwar keine Säbelzahntiger mehr, jedoch sind wir auch heute noch Gefahrensituationen ausgesetzt, in denen wir diese Reaktionen brauchen können (zum Beispiel im Straßenverkehr).
Verantwortlich für die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Stress, für den sogenannten Distress ist die nicht verbrauchte Energie! Der Körper bereitet sich wie wir gehört haben auf Angriff oder Flucht vor. Alle Reserven werden aktiviert und nicht verbraucht. Wir haben nur noch selten die Gelegenheit, unseren Stress in Form von tatsächlichem Angriff oder tatsächlicher Flucht abzubauen, also bleibt die Energie unverbraucht. Fett, Zucker und verklumpende Blutplättchen verstopfen die Blutbahn. Es kann zu Arteriosklerose und Infarkten in Herz, Lunge oder Gehirn kommen.
Es kann natürlich auch zu chronischen Belastungen kommen. Die Stressreaktion ist für kurzfristige Gefahren ausgerüstet. Zwischenmenschliche oder berufliche Stressbelastungen sind jedoch über längere Zeit belastend. Und so fehlt häufig die Zeit für Erholung oder Entspannung. Der Organismus wird ständig in einer erhöhten Widerstandsbereitschaft gehalten. Der Körper hat ein erhöhtes Energieniveau und kann mit der Zeit auch in Zeiten, wo keine akute Belastung vorliegt, nicht mehr zur Ruhe kommen. Hierin liegt die Gefahr von permanentem Stess.

 

Wie wirkt sich chronischer Stress nun auf unsere Gesundheit aus?

 

Permanent gestresste Menschen haben oftmals mit chronisch erhöhtem Blutdruck zu kämpfen. Durch die ständige Muskelanspannung (häufig im Schulter- und Nackenbereich) fühlen sie sich verspannt. Sie leiden unter Ein- und Durchschlafproblemen, haben ein geschwächtes Immunsystem und kompensieren den Stress oft mit Alkohol, Zigaretten oder ungesundem Essen.

Was können wir tun?

Manches liegt nicht in unserem Einflussbereich. Einiges können wir aber sehrwohl dazu unternehmen, um unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit zu verbessern. Wie sich jemand am besten erholen kann, ist individuell: Einige von uns erholen sich beim Sport in der freien Natur, andere lieben Musik oder können beim Zubereiten eines tollen Essens so richtig abschalten. Ob Sie die Zen-Gymnastik einer Bergwanderung den Vorzug geben, ist ganz allein Ihre Entscheidung. Wichtig ist, regelmäßig etwas für sich zu finden, bei dem man kurz aus dem täglichen Hamsterrad aussteigen kann. Ein positives soziales Netz (Freunde, Familie, nette Nachbarn etc.) ist für jeden von uns wichtig.

 

ÜBUNG:

Nehmen Sie doch einfach mal ein Blatt Papier und notieren darauf alle Menschen, mit denen Sie immer wieder in Kontakt sind rund um Ihren Namen (der in der Mitte steht). Zu den Namen der Menschen, die Sie als positiv und unterstützend erleben, zeichnen Sie eine grüne Verbindungslinie ein, zu den neutralen eine gelbe und zu den Namen der Menschen, zu denen der Kontakt aus Ihrer Sicht eher schwierig oder mühsam ist, zeichnen Sie eine rote Verbindungslinie.
Wenn Sie vorwiegend grüne Linien auf Ihrem Papier sehen, können Sie sich glücklich schätzen und sollten vor allem in stressigen Zeiten Ihre Kontakte pflegen.
Sollten viele rote Linien auf Ihrem Blatt erkennbar sein, wird es Zeit, sich mal Gedanken über das eigene soziale Netz zu machen und die positiven Beziehungen vielleicht noch mehr aktivieren bzw. auszubauen.

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